Tagungsprogramm

Wie funktionieren PR-Kampagnen unter dem Deckmantel zivilgesellschaftlichen Engagements? Welche neuen Formen von Protest- und Akzeptanzmanagement gibt es? Welche Gegenstrategien sind erfolgreich? In über 30 Workshops und Vorträgen werden Methoden des Protestmanagements in verschiedenen gesellschaftlichen Konfliktzonen ausgeleuchtet.

Die Gegenseite hat Angst

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Egal, wie kreativ und kämpferisch sich Bürger gegen große und kleine Projekte der Industrie oder der Politik zur Wehr setzen, die Gegenseite antwortet mit all ihren Mitteln. Mit Lobbyverbänden. Mit Public-Relations-Firmen. Mit Public-Affairs-Agenturen. Vor allem aber: mit Geld.

Am Wochenende wurden auf dem Kongress “Wenn Konzerne den Protest managen” Strategien gegen die große PR-Maschine besprochen. Erst einmal ging es den rund 200 Teilnehmern darum, von Konzernen gelenkte Bürgerbewegungen zu erkennen und sich dagegen zu wehren. Dazu hatten klimaretter.info, die linke Medienakademie LiMA, die Umweltorganisation Robin Wood und die Initiative LobbyControl in die Berliner Humboldt-Universität eingeladen. Der Zulauf war überwältigend, sämtliche Workshops waren voll.

Die Berichte von Aktivisten und Teilnehmern zeigten: Die Gegenseite hat Angst, sonst würde sie diesen Aufwand nicht betreiben. Angst davor, den Kampf um die öffentliche Meinung zu verlieren. Angst, dass die eigene Unglaubwürdigkeit offensichtlich wird.

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Schon seit den Kämpfen um das geplante Atomkraftwerk Wyhl in den 1970er Jahren betreiben die Konzerne Greenwashing. Spätestens seit der Jahrtausendwende gehen die Unternehmen noch weiter. Ihr Ziel ist es nicht mehr nur, Proteste gegen ihre Vorhaben zu unterbinden, sondern, sie bewusst zu lenken und zu manipulieren. Einer der Vordenker, Marco Althaus, schrieb
2007, dass gegen Bürgerinitiativen nur Bürgerinitiativen helfen: sogenanntes Grasroots Lobbying, auch “Astroturf” genannt – das englische Wort für Kunstrasen. Es geht darum, den Protest “zu managen”.

Dabei ähneln sich die Vorgehensweisen: Der (politische) Gegner wird überwacht, oftmals mit Mitteln, die aus der Spionage stammen. Verschiedene Taktiken werden angewendet, um die Auseinandersetzung klein zu halten. Teile der Bewegung werden konfrontativ angegangen und eingeschüchtert, sei es mit juristischen Mitteln oder durch öffentliche Stigmatisierung. Andere Teile der Bewegung sollen eingebunden werden – in Dialogen, mit Beteiligungsangeboten, in Nachbarschaftsforen. Dabei geht es auch darum, die Gegenbewegung zu spalten, die lauteren Stimmen als Chaoten zu disqualifizieren und die gemäßigteren für sich zu vereinnahmen. Bürgerbewegungen sollen so neutralisiert werden, eine eigene “Gegenstimme” soll geschaffen werden.

Klimaretter.info-Mitbegründer Toralf Staud erklärte dem Publikum, wie sich die Fehlinformationskampagnen und Lügen der Industrie aufdecken lassen. Ulrich Müller von LobbyControl nannte zahlreiche Beispiele, wie Konzerne “Astroturfing” betreiben, also “Bürgerbewegungen” gegen Bürgerbewegungen aufbauen, antreiben, sie finanziell, ideell und personell unterstützen.

Viele Teilnehmer waren sich einig: Mit dem Aufdecken von Konzernstrategien können sie in Zukunft besser und gemeinsam gegen Gegner vorgehen, die keineswegs so übermächtig sind, wie es scheint. Dabei helfen auch Online-Portale wie der Klima-Lügendetektor, die seit Jahren eine wachsames Auge auf die Tricks von PR-Kampagnen haben.

Einige Veranstaltungen können Sie hier nachhören und nachsehen.

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